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Angler setzen Aale in die Lahn aus

Wie in jedem Jahr haben die Angler wieder junge Glasaale in die Lahn ausgesetzt, um die Erhaltung der Artenvielfalt in dem Gewässer zu unterstützen.

Das Gewässer der Lahn ist mit Wehren und Staustufen sowie dem Betrieb von Wasserkraftanlagen verbaut. Weil jedoch durch diese Gewässerverbauung keine Wanderungen mehr möglich sind, ist der Aal laut Internationaler Tierschutzorganisation (IUCN) akut vom Aussterben bedroht. Jährlich setzen die Angler Glasaale in der Lahn aus, um einen Beitrag zur Arterhaltung zu leisten.

 

280 Kilogramm Aal ausgesetzt

 

Insgesamt setze die IG-Lahn vergangene Woche in der Lahn von der Mündung  bis fast nach Marburg 280 Kilogramm vorgezogene Glasaale aus. Dafür investierte die IG-Lahn 14.000 Euro. Dies waren etwa 30.000 zahn Zentimeter große Jungaale. Sie sollen den Bestand für die nächsten 20 Jahre in der Lahn sichern. Die Glasaale sind vom Deutschen Fischereiverband in Hamburg, der diese aus Frankreich und Irland erhält. Dort werden sie vom Golfstrom als sogenannte Weideblattlarven angetrieben. Im Brachwasser verwandeln sie sich in einer Metamorphose zu kleinen, durchsichtigen Glasaalen. Beim Aufstieg in den Flüssen werden sie gefangen und an den Deutschen Fischereiverband verkauft. In einer Aufzuchtanlage füttert dieser die Glasaale an, bevor sie an die Vereine entlang der Fließgewässer zum Aussetzen verkauft werden. Die IG-Lahn beteiligt sich jährlich an dieser Aktion.

Der Besatz ist jährlich nötig, da die Aale ihr Aufwuchsgewässer nicht mehr selbst erreichen können. Durch die Wehre sind die Fließgewässer verbaut und hindern die Aale an der Wanderung. „Würde kein Besatz – der sehr teuer ist – gemacht, gäbe es in der Lahn und in allen verbauten Fließgewässern Deutschlands keine Aale mehr!“, so Winfried Klein, Vorsitzender der IG-Lahn, „Diese Glasaale bleiben etwa 20 Jahre hier und wachsen in dieser Zeit zu großen Blankaalen heran. Dann wandern sie wieder in der Lahn ab in den Rhein und in die Nordsee, überqueren den Atlantik und schwimmen in die Sargassosee, wo sie sich am Ende ihres Lebens einmalig in Tiefen von bis zu 5000 Metern vermehren.“

 

Gefahr Wasserkraftanlage

 

Die größten Probleme sind die Wehre und Stauhaltungen mit den darin befindlichen Wasserkraftanlagen. „Von denen behaupten die Betreiber, Ökostrom zu erzeugen und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, stellt Klein die Situation an der Lahn dar, „Nein! Diese marginale Menge Strom aus Wasserkraft an der Lahn, die von drei Winkraftanlagen gewässerfreundlich ersetzt werden könnten, macht den Tieren in der Lahn den Garaus. Sie rottet die Aale aus.“

Ein Großteil der in der Lahn heranwachsenden Gelbaale gerät vor die Rechen und in die Turbinen. „Ohne Beachtung der Tierschutzgesetze oder Artenschutzgesetze werden sie bestialisch gequält und getötet.“ Heute könne kein Aal mehr in der Lahn abwandern und von der Lahn aus den Rhein geschweige denn seinen Laichplatz 6000 Kilometer von hier erreichen. „Wir Menschen sollten uns schämen, sich einen Fluss wie die Lahn durch zerstörende Nutzungen wie Schifffahrt mit Motorbooten und Wasserkraftanlagen zu stauen und  unter den Nagel zu reißen. Der Lebensraum ist und bleibt zerstört und die darin lebenden Arten werden auf Dauer ausgerottet.“

 

Störungen der Gewässerökologie

 

Die Wehre verhindern nicht nur die Wanderung der Aale. Sie wirken sich zudem negativ auf die Gewässerökologie aus. Durch die Wehre kommt das Fließen der Gewässer zum Erliegen und es bilden sich Teppiche an Braunalgen aus. Tagsüber übersättigen sie das Wasser mit bis zu 300 Prozent an Sauerstoff, welches toxisch für die Lebewesen ist. In der Nacht zehren sie den Sauerstoff wieder auf, so dass am Morgen Sauerstoffmangel herrscht. Der pH-Wert steigt bei diesen Stoffwechselprozessen an und das harmlose Ammonium wird in giftiges Ammoniak umgewandelt.

Ein weiteres Problem sind die Belastungen mit Rückständen aus Medikamenten aller Art durch Ausscheidungen von Menschen und Tieren. Sie verschlechtern die Leistung der Kläranlagen, da die abbauenden Bakterien durch diese Rückstände (z.B. Östrogene, Diclofenac, Glyphosat ua.) getötet werden. Und auch die Schifffahrt trägt ihren Teil bei. „Aus der Luft gesehen sieht die Lahn vielleicht für unwissende Menschen schön aus. Doch Insider wissen, was sich derzeit Schlimmes unter der Wasseroberfläche im Gewässerlebensraum abspielt“, so Klein zusammenfassend.
Zerstörung der Natur

Diese massiven Störungen der Gewässerökologie hat einen negativen Einfluss auf alle Lebewesen, so auch auf die Aale. Seit Jahren setzen sich die Angler dafür ein, dass sich etwas an der Situation ändern. Sie engagieren sich, dass die Lahn wieder zu einem natürlichen Gewässer wird, welches ein freies Wandern aller Lebewesen ermöglicht. „Die Aale, die hier schon seit Saurier-Zeiten leben haben und sich trotz ihres kompliziertem Biorhythmus und nur einmaliger Fortpflanzung bis heute bei uns halten können“, so Klein weiter, „doch seit der Mensch die Natur vergiftet und zerstört, wird das Leben für allen Tierarten im Wasser immer schwieriger. Es sind schon viele Tierarten verschwunden. Nun geht es an die Substanz aller Wassertierarten.“

Und solange es die Wehre, Wasserkraftanlagen sowie Schifffsverkehr auf der Lahn gibt, werden Projekte wie „LiLa-Lahn“ verhindert. Dieses Projekt setzt sich zum Ziel, eine gute Wasserqualität sowie stromauf und stromab eine gute Durchgängigkeit zu erreichen. Gerade habe aber die EU reagiert und beschlossen, dass die EU-Wasserrahmenrichtlinie strikt umzusetzen ist. Zudem droht sie drastische Strafen für die Mitgliedsstaaten an. Es sollen Strafen je nach Schwere der Versäumnisse von 100.000 Euro bis 800.000 Euro pro Tag verhängt werden.

Zum Schluss appelliert Winfried Klein noch an die Bürger: „Die IG-LAHN fordert alle Bürger auf, mit zu helfen, dass die Lahn wieder zu einem intakten und artenreichen Fließgewässer entwickelt wird. Nur ein gesundes Gewässer erfüllt die Forderungen der EU-WRRL in jeder Beziehung. Damit machen wir dann die Lahn wieder zu „einer Lebensader unserer Landschaft“, was nicht nur dem Artenschutz sondern allen Bürgern mit viel mehr Lebensqualität zugute kommen wird.“

(Quelle hl-journal vom 23.06.2020)